Team Rheinhessen

Cycling Team

Quäl Dich… in Polen

Sonntag 22. August 2010 von Friedsam

62 Km/h, Puls 203 – die Daten auf Timons Fahrradcomputer waren ebenso ungewöhnlich wie besorgniserregend. Dabei hatte das Rennen in Sucha Bedzinska gerade erst begonnen. Siebeneinhalb Runden à zwei Kilometer hatten die rund 180 Rennfahrer in der polnischen Kurstadt am Rande der Karpaten zurückzulegen, bevor es für rund 130 Kilometer hinaus ging aufs Land. Die Rennen in Sucha Bedzinska und Iwonicz am Folgetag gelten als die bedeutendsten polnischen Eintagesrennen und werden von der UCI mit dem Status 1.2 bewertet. Entsprechend motiviert gehen die osteuropäischen Profiteams zu Werke und genau das bekamen Timo und unsere weiteren vier Jungs – Toni, Merse, Arne und Phillip – bereits auf den ersten Kilometern zu spüren.
Nach einer entsprechenden Einladung des Veranstalters im Frühjahr waren wir in dem Bewußtsein in die südöstliche Ecke unseres Nachbarlandes gereist, hier vor allem neue Erfahrungen bei zwei wirklich großen Rennen sammeln zu können. Nachdem mit Stephan, Ron und Chris gleich drei unserer Stärksten absagen mussten, traten wir die über tausend Kilometer lange Reise nicht unter optimalen Bedingungen an, zumal Toni sich eine üble Infektion eingefangen hatte und in den Rennen nur antrat, damit wir beim Start die vorgeschriebene Mindestzahl von fünf Fahrern aufweisen konnten. Und so könnte man das Bölts-Zitat „Quäl Dich Du Sau!“ von vornherein als das heimliche sportliche Motto für unsere Jungs bezeichnen. Dem aber wurden sie mit Bravour gerecht. Bei dem von zwei langen Anstiegen dominierten Rennen in Sucha Bedzinska wuchsen vor allem Phillip und Merse über sich hinaus, hängten nicht nur die komplette deutsche Nationalmannschaft, sondern auch eine schöne Sammlung gestandener Profis ab und sicherten sich einen Platz in der Wertung. Damit hatten wir uns schon mal den Respekt der Veranstalter erworben, die uns danach spontan für das kommende Jahr wieder einluden.
Nach dem Rennen wartete der Transfer ins 250 km entfernte Iwonicz auf uns. Davon führten rund 150 km über Landstraßen. In einer Stunde kommt man auf Polens Landstraßen etwa 50 Kilometer weit. So mussten wir bei drückender Schwüle noch einmal gut vier Stunden im Auto “dünsten”. Es war fast Mitternacht, als wir in die Betten fielen. Das Rennen in Iwonicz über 176 knüppelharte Kilometer wurde zu einer regelrechten Abnutzungsschlacht. Nur rund 40 der gestarteten 180 Fahrer kamen am Ende ins Ziel, darunter leider keiner von unseren Jungs. Am längsten hielt sich Arne, der erst am letzten Anstieg den Kontakt zum Rest des Feldes verlor und den Anschluss dann nicht mehr schaffte.

pfeilschnelle Startrunden in Suchaunsere Jungs vor dem Start in Iwonicz

Dennoch brachte unsere „Expedition“ bis kurz vor die Grenze der Ukraine viele unvergessliche Eindrücke. Die Härte der Rennen, die teilweise im Wortsinne „erschütternden“ Straßenverhältnisse (und Bahnübergänge), die Begegnung mit gestandenen Profis, die zum Teil durchaus Protour-Niveau besaßen und auch die Eindrücke von Land und Leuten, all das bleibt haften. Übrigens auch die Strapaze der über fast 1.300 km langen Heimfahrt.

Dieser Beitrag wurde erstellt am Sonntag 22. August 2010 um 17:49 und abgelegt unter Allgemein. Kommentare zu diesen Eintrag im RSS 2.0 Feed. Sie können einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf Ihrer Seite einrichten.

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